Ich habe dich wiedergesehn

Ich habe dich wiedergesehn,
Rauch hat dich gezeichnet,
den Mantel der Verpuppung
aus sterbender Substanz
warfst du ab,
eine untergegangene Sonne,
am Faden deiner Liebe
leuchtete die Nacht auf,
die sich hob
wie einer Schwalbenschwinge
vorgefalteter Flug.
Ich habe einen Halm des Windes gefaßt,
eine Sternschnuppe hing daran -


(Nelly Sachs, In Ohnmacht hinterm Augenlid)

angry young me

Nein, ich will zornig sein.
Die Unvereinbarkeiten und Unversöhlichkeiten mit meiner Umwelt bejahen.
Den Schein einer medial propagierten Gesellschafts-Idylle hinterfragen.
In Werbespots und Sitcoms eindringen und die Leichen unter dem frisch gedeckten Tisch hervorziehen.
Die Kinder aus der Schule jagen. - Wo kommen diese Kinder überhaupt her? Diese kleinen Marionetten, in winzige Kostüme gesteckt.
Die Götzen will ich austreiben, diese bornierten Überväter.
Und für Nichts schämen.
Die Kluft zwischen den Generationen schätzen, denn sie ist gut.
Keine Kompromisse eingehen, wenn es die Freiheit betrifft.
Älter werden, wachsen, Falten bekommen, und dem Terror der ewigen Jugend trotzen.
Auf diese stinkenden, schmutzigen Stellen hinweisen, "da, das haben wir getan", nicht weitergehen.
Ich will nicht still sein, wenn es unbequem wird.
Ich will weder Lob, noch Vergebung von einem System, das willkürlich ausschließt mit bürokratischen Mitteln.
Zum sonntäglichen Kaffeekränzchen nehme ich keine Kinder mit, sondern meine offene Skepsis, damit das Sitzen auf den Polstersesseln unerträglich wird, wie auf Nadeln.
Und scheitern werde ich, wenn es sein muss.

©slowberrine

is there a handbook for relationships?

Was tut gut und was tut schlecht und was ist zu nahe und was ist zu lose?

-- Das Fantastische ist, dass alles möglich ist :)

Also verschwimmen die Fragen und wir tauchen ein in einen Tanz, der uns dahin führt, wo es uns gut geht. Jeden Tag, immer wieder aufs Neue. Ohne die Vorstellungen, die mir so tief eingeprägt worden sind, Vorstellungen von einer ausschließenden Zweierbeziehung, Vorstellungen von einer unveränderlichen Freundschaft, Vorstellungen von Abhängigkeit und absoluter Selbstaufgabe. Ich möchte spielen, probieren, verändern, bewahren, schätzen, fliegen, träumen, erwachen und auf das vertrauen, was kommt..

©slowberrine

turn.off.your.tv.and.dance

Kopie-von-DSCN08161

take a look around
- i bet there are some really nice people waiting for you!

©slowberrine

Nichts als Gespenster

Judith Hermann Nichts als Gespenster (2003) gespensterh

Nichts als Gespenster ist ein Erzähband, der sieben Kurzgeschichten beinhaltet. Was mich besonders daran beeindruckt, ist Judith Hermanns Vermögen alltäglichen Dingen einen so schönen, poetischen Ausdruck zu geben, dass man den eigenen Alltag mit ganz anderen Augen zu sehen beginnt.

Hier eine Leseprobe aus Acqua alta, einer Erzählung, in der die Ich-Erzählerin ihren Eltern für einen Tag in Venedig begegnet:

Ich denke immer, wenn meine Eltern alt sind, will ich mit ihnen reisen. Vielleicht denke ich auch, wenn ich alt bin, will ich mit meinen Eltern reisen. Ich vergesse, daß sie schon jetzt alt sind, oder besser, ich verdränge es, ich denke, wir haben noch Zeit, ich verliere mein Zeitgefühl. Jedes Zusammentreffen mit meinen Eltern ist behaftet mit so etwas wie einer Unruhe. Hätte ich nichts Besseres zu tun, als mit meiner Mutter und meinem Vater auf dem Balkon zu sitzen und in dieser verfahrenen, gewohnten, unsinnigen Art und Weise mit ihnen zu sprechen? Sind da nicht andere Menschen, mit denen ich glücklicher wäre? Sitze ich hier nicht nur ihnen zuliebe? Und jeder Abschied ist begleitet von Reue und Traurigkeit, wie schön ist es doch eigentlich, mit ihnen zu sein, wie seltsam und wie vertraut. Und müßte ich nicht für immer zu ihnen zurückkehren, da ich von all dem anderen, vom ganzen Rest des Lebens doch nun ohnehin alles weiß. Ein neutrales Zusammensein, eines, in dem ich nicht unruhig, nicht reuig, nicht traurig bin, nicht auf dem Sprung und nicht bemüht, ihnen irgend etwas weiszumachen, gibt es selten. Warum wir auf dem Markusplatz so beieinandersitzen konnten, ein Vater, eine Mutter, ein erwachsenes Kind, nicht mehr und nicht weniger, kann ich nicht sagen.
(Acqua alta)

*welcome*

..to this blog! have a look around, find some new things and inspirations.. schön, dass du da bist!

©slowberrine

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